Berlin – Dresden, Tag 2

Wir verbrachten eine angenehme Nacht in Ketzin. Der Wind war stark, die Wellen platschten Laut an den Rumpf, sehr schön. Mit der Dämmerung legten wir ab und fuhren weiter Richtung Magdeburg. Die Havel gehört für mich zu den schönsten Binnengewässern, die ich bisher befahren habe. Wir erlebten einen traumhaften Sonnenaufgang. Die Schleuse Brandenburg liess uns nicht lange warten, so dass wir zügig voran kamen. Das Wetter war spektakulär gut. In Genthin legten wir wieder einen Tankstop ein.

Eine kleine Schrecksekunde gab es, als wir den Hafen wieder verließen. Man kann den Elbe-Havel-Kanal dort nicht besonders gut einsehen, wenn man den Hafen über seine rechtwinklige Zufahrt verlässt. Aber da wir den ganzen Tag weitgehend alleine auf der Wasserstraße unterwegs waren, liefen wir ziemlich beherzt aus dem Hafen. Um auf einmal backbords einen Frachter zu sehen, der recht nah unter Land direkt auf uns zugepflügt kam. Maschine AK rückwärts, und hoffen, dass der Sog uns nicht gegen die Hafeneinfahrt drückt. Klappte. Schweiß von der Stirn gewischt, und weiter ging es im Elbe-Havel-Kanal.

Ausgerechnet an einer Schleuse, deren Wartestelle nur aus einem Dalben besteht, mussten wir recht lange warten und zehrten so unsere gesamte Zeitreserve des Tages auf.

So erreichten wir die Schleuse Hohenwarte erst bei einsetzender Dunkelheit. Die Sportboot-Wartestelle war besetzt, und zwar durch ein aus Dresden bestens bekanntes Schiff: Die Elbe Princess. Dies ist ein Heckschaufelradschiff, was extra für die Elbe gebaut wurde, unter französischer Flagge fährt und Flusskreuzfahrten zwischen Berlin und Prag anbietet.

Keine Ahnung, was die Prinzessin an unserer Liegestelle machte. Auffällig war, dass beide Heckschaufelräder fehlten. Wir gingen an die Spundwand davor, die eigentlich für die Großen reserviert ist, und warteten. Als wir gerade überlegten, vielleicht gleich dort zu übernachten, erhielten wir über Funk das OK zur Einfahrt und wurden die knapp 20m hoch geschleust. Damit war klar, dass wir die Elbe noch an diesem Abend überqueren würden. Der Elbe-Havel-Kanal wird hier zum Mittellandkanal, und führt in einer großen Trogbrücke über die Elbe.

Diese Brücke ist zum Glück sehr gut beleuchtet, was der ganzen Sache auch im Dunklen einen sehr imposanten Anstrich verleiht.

Der Verkehr auf der Brücke wird, wie bei einer Straßenbaustelle, nur wechselseitig über die Brücke geleitet. Also mussten wir uns über Funk noch das OK für die Passage holen. Da außer uns nur noch Wenige unterwegs waren, erhielten wir die Freigabe sofort.

Auf der anderen Seite gibt es im Oberwasser des alten Schiffshebewerks Rothensee eine Liegestelle für Sportboote, wo wir übernachteten. Aus der Ferne grinste uns ein gelb leuchtendes McDonalds-M an, was für uns aber unerreichbar war, also machten wir uns selbst Essen auf dem Boot. Was ja bekanntlich auch immer nicht schlecht ist…

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