Prag 2015 – Tag 2

Strecke:

Der Trend setzt sich fort, denn wir sind ja im Urlaub und nicht auf der Flucht: Aus der geplanten Abfahrtszeit um 7.30 Uhr wurde 7.45 Uhr. Brit schlief tief und fest, also setzte ich erst den Pinscher an Land, zwecks Erledigung dringender Bedürfnisse, und zwar für die nächsten 10h. Anschließend heißte ich die von unseren Stegnachbarn Carola und Wolfgang geliehene Gastlandflagge vor.

Da Brit immer noch schlief, entschloss ich mich, mal was Neues zu probieren:

Ich startete die Maschine und legte alleine ab, hat funktioniert… J

Wir passierten die Grenze (Brit war mittlerweile auch am Start) und erfreuten uns gerade am einsamen Fluss, als auf dem Plotter eine seeehr lange Kurs-Voraus-Linie eines anderen Fahrzeugs auftauchte. Dazu muss man wissen: je länger diese Linie, desto schneller das Fahrzeug, denn es wird immer die vorauskalkulierte Bewegung der nächsten fünf Minuten angezeigt).

Die visuelle Bestätigung folgte unmittelbar: Uns kam ein Fahrzeug entgegen, das mit riesiger Welle die Elbe talwärts pflügte. Ein Blick auf die Details im Display zeigte: SPS 1 Praha, Polizeifahrzeug! Bemerkenswert, dass hier die Polizei das AIS eingeschaltet hat. Die Jungs in Dresden machen das nie, die fahren immer „inkognito“.

Wir bereiteten uns auf eine üble Welle vor, aber die SPS 1 stoppte vor der Begegnung auf, grüßte freundlich, und legte den Hebel erst wieder auf den Tisch, als sie an uns vorbei waren. Freundlich!

Wir quälten uns weiter die Elbe rauf, etwa eine halbe Stunde später kam SPS 1 wieder von achtern auf, überholte uns aber genauso sorgfältig, wie sie uns zuvor begegnet waren.

Es wurde immer kälter, die Dieselheizung tat sich schwer, unsere Wohlfühltemperatur zu halten, also warfen wir erstmals den Generator an und heizten das Schiff elektrisch auf. Funktionierte spektakulär gut!

Die von uns im Vorfeld beschafften tschechischen Data-SIMs funktionierten um Decin herum überhaupt nicht, wir machten uns schon Sorgen, aber es lag nicht an den SIMs, sondern am Netz: Auf der Elbe um Decin gibt es quasi überhaupt kein Netz. Ab Usti waren wir dann online.

Danach war es wieder einsam, und genau wie berechnet erreichten wir 15.40 Uhr die Schleuse Strekov, Usti n. L..

Die Schleuse liegt unterhalb des schon von Ludwig Richter gemalten „Schreckenstein“:

LudwigRichter-365289

Der Anblick ist heute noch ganz ähnlich. Naja, abgesehen von dem Sperrwerk:

2schreckenstein

Strekov ist bekannt dafür, als einzige Schleuse hier nur ungern Deutsch zu verstehen. Daher hatten wir uns etwas Besonders ausgedacht: Ein kleiner Zettel mit Vokabeln, um uns tschechisch zumindest anzumelden.

 spickzettel

Wir funkten also auf Tschechisch soetwas wie „Guten Tag Schleuse Strekov, ich möchte gerne aufwärts!“. Es passierte genau das, was wir befürchtet hatten: Wir bekamen eine lange tschechische Antwort. Wie geplant las ich daraufhin vom Zettel ab: „Ich spreche kein Tschechisch!“. Und siehe da, ohne weiteren Kommentar wurde die Ampel grün, ich funkte auf Deutsch „Danke!“ und erhielt ein deutsches „Bitte!“ als Antwort. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!

2schleuse

Es dauerte etwa eine weitere Stunde bis zu unserem heutigen Tagesziel, Dolny Zalezly, wo es einen kostenlosen, luxuriösen städtischen Anleger gibt. Auf den dortigen Stromsäulen findet sich der Hinweis, dass man an der anliegenden Tankstelle eine Karte kaufen soll, mit der die Säule freigeschaltet wird. Wir tankten also unseren einzigen 35L-Reservekanister nach, um ihn gleich wieder an der Tanke aufzufüllen.

2panorama 

Wir hatten etwa 1.800 Kronen dabei. Die Rechnung für 35L Diesel, 5L Super für den Generator, etwas  RedBull, einen Trichter und eine Flasche Becherovka lautete 1550 Kronen (also etwa EUR 50,-). Um unsere Kronen zu behalten, baten wir darum, in Euro zu bezahlen. Der Umrechnungsfaktor betrug unverschämte 1:23 (also etwa EUR 67,-), realistisch wären 1:27! Wir opferten also doch fast unsere gesamten Kronen für den Einkauf, für die Stromsäule (RFID-Prepaid-Karte für 500,- Kronen) reichte es dann nicht mehr – wir hätten weitere 200 Kronen gebraucht.

Also liegen wir heute hier erstmalig autark, ich werde später nochmal den Generator anschmeißen, um noch etwas zu heizen… und während ich hier schreibe, schaut Brit auf dem 12V-TV Magic Mike XXL… Vielleicht muss ich doch nicht heizen. Ich selbst friere ja nie… 🙂

 

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